«Eine, die schreiben muss - Sylvia Kling»- JMB

Willkommen Über meine Person Publizierung Rezensionen Termine Programm Links Gästebuch Kontakt Folgen

Rezensionen

Lyrikband «AusGeatmet» – erschienen am 01.10.2015

«Die Spuren entschlüsselt der Blinde» Von JMB am 4. Mai 2016

Sylvia Kling. Ein guter Name, wenn man sich der klingenden Sprache der Lyrik verschrieben hat. Und sie löst ein, was ihr Name verspricht. Bei ihr klingt es im Reim, es klingt im Rhythmus und es klingt im freien Vers. Sie weiß ihre Worte zu wählen und zu setzen.

Dabei ist Sylvia Kling vielfältig in ihrer Themenwahl. Doch ob sie nun über die Liebe selbst, die Heimat oder auch die Natur schreibt, sie schreibt mit Tiefe. Schnell merkt man, dass hier eine schreibt, die schreiben muss, weil sie etwas zu sagen hat. Eine, die sich verschenkt an das Leben und sich immer wieder auch daran aufreibt, bis sie an ihre Grenzen kommt.

Es sind kleine und große Fragen um unsere Gesellschaft, die sie «ruhelos denken» - über ihre «zerlaufende Vergangenheit» bis hin zu den politischen und sozialen Auswüchsen im Jetzt. Fragen um die Lieben(den) in ihrem Leben, die sie immer wieder weinen machen, mal golden flüsternd, mal rot schreiend: «Taut auf das Eis um mein Herz».

Und es sind Antworten, die sie oft genug in der Natur und durch die Natur erhält. Oder wenigstens die Metaphern zu den Antworten. Da sind Wolken, Stürme und Sterne. Ozeanblaue und feuerrote Himmel. Wälder und Berge. Und immer wieder Wasser. Goldener Regen. Sonnengelbe Flüsse. In die sie oft genug das lyrische Ich hineinwirft, es forttreiben lässt, um so vom Persönlichen zum Allgemeingültigen in ihrer Lyrik zu gelangen.

Die Verknappung der Sprache durch die Entfernung des Ichs, ihre ganz eigene Verwendung von BinnenMajuskeln und bewusst gesetzten rhythmischen Holperern, so wie eine beim Schreiben noch nach einer tieferen Bedeutung suchende Formgebung ihrer Gedichte … zwingen einen förmlich beim Lesen innezuhalten, nochmals zu lesen, Pausen zu denken, voran zu fühlen und rückwärts zu blättern.

«Erzählt allen Sehenden Geschichten der Vergangenheit», denn «nicht die Vergangenheit ist eine Lüge», sondern zu «jammern und beklagen den Untergang vom Sonnenland» ohne etwas dagegen zu tun. Folgt den Zeichen, die «aus rostigen Ketten sich befreien, im WildLeben sich einzureihen». «Die Spuren entschlüsselt der Blinde».

Sylvia Kling hat Glaube, Liebe, Hoffnung noch nicht aufgegeben. Und ihre Gedichte erzählen davon. Sinnenfreudig, tiefgründig, lustvoll. Und nicht zuletzt auch, in vielen ihrer Liebesgedichte, erotisch.

Angereichert wird das Ganze, gewürzt manchmal, manchmal verdeutlicht und bisweilen gar verschleiert durch wundervolle KugelschreiberZeichnungen von Khalid Aouga.

Ich würde sagen: >AusGeatmet< sollte der Liebhaber von Lyrik kaufen. Und lesen. Und wieder lesen. Immer wieder lesen. Linear und kreuzundquer. Hungrig. Und mit weitem Herzen. Denn dies ist Lyrik, die es verdient, geliebt zu werden.

BruchStücke 1 und 2, mit scharfer Kling-e seziert

Von Gero Bernard am 22. Oktober 2016

Vom Leben zum Sterben, von Liebe und Mitgefühl bis Wut und Zorn, von Kindesmissbrauch bis Weihnachtslust und -frust, der Bogen ihrer Gedichte ist so weit gespannt wie das Leben. Sylvia versteht es einmal mehr, mich in den Bann ihrer Bruchstücke zu ziehen, nicht immer, das ist ja selbstverständlich, weil dies auch vom Verständnis meiner selbst abhängt. Doch oft, sehr oft bin ich berührt und aufgewühlt. Hin und wieder erinnert mich der Stil immer noch an Kästner, doch seltener nun als in AusGeatmet, dem ersten Gedichtband von Sylvia. Ich finde, der Klang hat deutlich mehr von Kling, ein echter Gewinn. «Dresden (zweitausendundfünfzehn)» hat mich beim ersten Lesen am meisten berührt, vielleicht weil ich selbst ein Sachse bin, und zerrissen in diesen Tagen. Daumen hoch, eine klare Empfehlung für alle, die tiefgründige und schnörkellose Gedichte lieben.

Poesie für Herz und Verstand

Von Dido am 11. November 2016

Ich bin wieder ganz begeistert. Und wenn ich, die ich seit Jahrzehnten nichts mit Gedichten am Hut hatte, das sage, will das schon was heißen.

Es wird wahrscheinlich nicht mehr dazu kommen, dass ich jedes Gedicht eines Dichters verstehe. Aber bei Sylvia Kling finde ich so viele schöne Zeilen, wo ich denke: Ja, genauso ist es. Sie schreibt mir aus dem Herzen.

Und es sind auch in diesen Bänden wieder so viele Themen abgedeckt, dass für jeden Leser etwas dabei sein kann: Heimat, Politik, das Menschliche, Älterwerden, Liebe, manches klingt ganz persönlich.

Sylvia Kling gibt denen eine Stimme, die nicht selbst sprechen, sich nicht wehren können: Kinder, Kranke, Alte. «Opferprofil», hier geht es um Kindesmissbrauch, geht dabei besonders unter die Haut. Oder auch «NachbarsJunge», in dem sie über einen Jungen schreibt, der sich nicht nur Freunde wünscht, sondern auch die Liebe seiner Mutter.